„IKUSH – Interkulturelle Suchthilfe in Leipzig“ vom Ehrenamt zur Profession

Aus verschiedenen Datenerhebungen in Leipzig ging hervor, dass suchtkranke Menschen mit Migrationshintergrund das ambulante Suchthilfesystem kaum in Anspruch nahmen. Gleichzeitig war bekannt, dass niedrigschwellige Angebote (Spritzentausch) oder auch medizinische Angebote wie Substitution und Entgiftungsbehandlungen angenommen wurden.

Das Modellprojekt wollte deshalb untersuchen, wie ĂŒber verschiedene Methoden der Zugang von suchtkranken Menschen mit Migrationshintergrund, vorwiegend aus dem russischen, persischen oder arabischen Sprachraum, zu den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen verbessert werden kann.

Die Ziele des Projekts in TrÀgerschaft des stÀdtischen Drogenreferats waren:

  1. SuchtprĂ€vention fĂŒr Menschen mit Migrationshintergrund: AufklĂ€rung, Information und Motivation zur Förderung einer gesundheitsfördernden suchtmittelfreien Lebensweise bzw. eines verantwortungsbewussten Umgangs mit legalen Suchtmitteln
  2. gezielte Vermittlung von suchtgefÀhrdeten oder betroffenen MigrantInnen ins Suchthilfesystem
  3. Abbau von Zugangsbarrieren zum Suchthilfesystem

Zur Umsetzung dieser Ziele wurden zwei Maßnahmen erprobt:

  1. MultiplikatorInnenschulungen zum/zur  interkulturellen Gesundheitsmittler/in:

    In Leipzig wurden in Beratungsstellen fĂŒr MigrantInnen, Migrantenvereinen und der Migrantenhilfe Teilnehmende fĂŒr eine Schulungsreihe gewonnen, die nach der Schulung als MultiplikatorInnen und GesundheitsmittlerInnen aktiv wurden. Dabei wurden vor allem Personen geschult, die in ihrer Herkunftspopulation besonders respektiert und geachtet sind, die weitgehend in die hiesige Gesellschaft integriert sind, gute Deutschkenntnisse haben und ĂŒber soziales und rechtliches Grundwissen verfĂŒgen. Teilnehmen konnten auch interessierte, aufgeschlossene, sozial engagierte MigrantInnen oder mehrsprachige Personen, die als GesundheitsmittlerInnen tĂ€tig sein wollten und Kontakte zu Migrantengruppen pflegten. Die Teilnehmenden wurden im Rahmen der Schulungsreihe theoretisch und praktisch qualifiziert und bei nachfolgenden eigenen AktivitĂ€ten unterstĂŒtzt.

  2. Muttersprachliche SuchtberaterInnen in Suchtberatungsstellen

    Über das Modellprogramm wurden in drei Suchtberatungs- und Behandlungsstellen MuttersprachlerInnen eingestellt und in die Teams integriert. Sie ĂŒbernahmen Beratung in den Einrichtungen sowie Begleitung, Streetwork und aufsuchende Arbeit zuhause und in Institutionen. Das Modellprojekt hat ĂŒber die niedrigschwelligen und zugehenden Angebote MigrantInnen frĂŒher erreicht und in die Suchtberatungsstellen vermittelt. Weitere TĂ€tigkeitsschwerpunkte in den Suchtberatungsstellen waren die psychosoziale Begleitung von substituierten MigrantInnen und der Aufbau eines Nachsorgesystems fĂŒr drogenabhĂ€ngige MigrantInnen aus der JVA.