Zugang zum Drogenhilfesystem f√ľr sozio√∂konomisch integrierte russisch-, t√ľrkisch und italienischsprachige MigrantInnen

Mit einem transkulturellen Arbeitsansatz und entsprechenden Angeboten ist es der Mudra Drogenhilfe in den letzten Jahren gelungen, Kontakte zu Drogengef√§hrdeten und Drogenabh√§ngigen unterschiedlicher Herkunft in der Region zu kn√ľpfen und damit Hilfesuchenden passende Angebote zu machen. Nachdem Angeh√∂rige der offenen Drogenszene inzwischen gut erreicht werden, erschien es nun erforderlich, eine weitere Zielgruppe anzusprechen. Im Rahmen des Modellprogramms sollten MigrantInnen in der Metropolregion N√ľrnberg angesprochen werden, die weitgehend sozio√∂konomisch integriert leben, Familie haben und in Arbeitsverh√§ltnissen stehen, zur Schule gehen oder studieren. Diese Personengruppe ist zum gro√üen Teil so genannten ‚ÄěPrivatszenen‚Äú zuzuordnen, die in die deutsche Mehrheitsgesellschaft integriert oder aber in der jeweiligen ethnischen Community angesiedelt sind. H√§ufig werden Trenddrogen konsumiert. Aufgrund ihrer famili√§ren und/oder schulisch/beruflichen Situation ist es f√ľr diese Zielgruppe oft nicht einfach, Kontakt zur Drogenhilfe aufzunehmen.

Im Rahmen des Modellprogramms sollten f√ľr diese Klientel innovative M√∂glichkeiten der Kontaktaufnahme und weiterf√ľhrender Hilfen implementiert werden. Dabei sollten Medien bzw. Angebote zum Einsatz kommen, die auf die Zugangsm√∂glichkeiten bzw. Bed√ľrfnisse dieser Menschen zugeschnitten sind, z.B. Angebote in den Abendstunden oder von √Ėffnungszeiten unabh√§ngige Zugangswege (Internet, Telefon).

Maßnahme I: Muttersprachliche Telefon-Hotlines

√úber die anonyme Kontaktaufnahme und Beratung per Telefon sollten MigrantInnen effektiv erreicht werden. Das Angebot sollte muttersprachlich sein, um Bereitschaft und F√§higkeit, mit einer fremden Person zu sprechen √ľber die Probleme zu sprechen und damit erstmals Vertrauen zum professionellen Hilfesystem zu fassen.

Ma√ünahme II: Muttersprachliche Internet-Foren (‚ÄěForumwork‚Äú)

Auch √ľber das Internet sind anonyme Zug√§nge m√∂glich, insbesondere mit Blick auf die Personen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Interessen das Netz nutzt, hier√ľber Kontakte kn√ľpft, Informationen einholt und - m√∂glicherweise - ein Beratungsangebot wahrnimmt. Im Rahmen der Forumwork betrieben russische und t√ľrkische Kolleginnen und Kollegen in bestehenden muttersprachlichen Internetforen eine Art elektronische Streetwork. Sie klinkten sich in laufende Diskussionen innerhalb der Foren ein und erkundeten dort den aktuellen Wissensstand von UserInnen zu Suchtmitteln und die Kenntnisse zu Hilfem√∂glichkeiten. Innerhalb der Foren waren auch begrenzte Diskussionen m√∂glich. F√ľr tiefgreifendere Informationen und Debatten wurde auf die eigene Seite www.mudra-transver.de , die so genannte ‚ÄěHomebase‚Äú verwiesen. 

Maßnahme III: Angehörigengruppen

Angeh√∂rige von DrogenkonsumentInnen leiden oft erheblich unter der Situation, sind voller Scham und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. F√ľr MigrantInnen trifft dies in noch erheblicherem Ma√üe zu, da sie in der Regel familienorientierter und kaum mit dem deutschen Suchthilfesystem vertraut sind. Deshalb wurden, aufbauend auf der mehrj√§hrigen Erfahrung der Mudra Drogenhilfe, zwei modulgest√ľtzte Gruppen f√ľr Angeh√∂rige russischsprachiger und t√ľrkischsprachiger suchtmittelkonsumierender MigrantInnen angeboten.